Wenn man sich die Songtexte aus verschiedenen Jahrhunderten anschaut, dann stellt man fest, dass sie sich je nach Genre gewaltig gewandelt haben. Einst dienten die Songtexte dazu, Wissen und geschichtliche Ereignisse an die nächsten Generationen weiter zu geben oder verschiedenen Gottheiten zu huldigen. Der unterhaltende Aspekt der Lieder kam erst viel später hinzu.
Ein Beispiel für frühe sakrale Musik sind die indianischen Gesänge, bei denen die Songtexte den jeweils angebeteten Gott um etwas baten. Am bekanntesten sind dabei die Bitten um Regen, eine gute Ernte oder reichliche Beute bei der Jagd. Die Songtexte waren sehr schlicht gehalten und die Begleitmusik hatte oft einen hypnotisierenden Charakter. Das nutzen die indianischen Stämme auch aus, um sich mental auf Kämpfe vorzubereiten.
Auch die keltischen Barden haben wertvolle Meilensteine bei der Entwicklung der Musik und damit auch der Songtexte gesetzt. Bei ihnen ging es um die Unterhaltung der Herrscher, in deren Palästen sie oft lebten. Sie mussten sich deshalb in der Geschichte oft als Parasiten bezeichnen lassen. Bei den Barden wandelte sich das Bild der Songtexte. Inhaltlich ging es einerseits um die Huldigung der Herrscher, andererseits standen auch schon die Alltagsthemen im Mittelpunkt, die auch heute noch den Inhalt der Songtexte bestimmen.
Im letzten Jahrhundert haben sich verschiedene Stilrichtungen herausgebildet, bei denen inhaltlich auf die Bedürfnisse bestimmter Gruppen von Menschen eingegangen wird. Ein besonders gutes Beispiel dafür sind die Songtexte aus dem Bereich Country Music. Hier liegt der Schwerpunkt oft darauf, die Einsamkeit der Trucker und die daraus resultierende Sehnsucht nach der Nähe einer Familie zum Ausdruck zu bringen. Ganz besonders deutlich wird dieses Thematik bei „Mein Daddy fährt fürs Christkind die Geschenke“ von Tom Astor.
Auch in der modernen Popmusik haben solcherart inhaltsschwere Songtexte immer wieder Eingang gefunden, wie beispielsweise „Kein Zurück“ von Wolfsheim beweist. Auch „Sparrows and Nightinales“ vom gleichen Interpreten setzt sich mit den Problemen der Welt auf musikalische Art und Weise auseinander. Hier steht nicht nur die Auseinandersetzung zwischen gläubigen und nicht gläubigen Menschen auseinander, sondern auch die Geschichte in Form des I. Weltkrieges findet hier Eingang in die Songtexte der Unterhaltungsmusik.
Neben dem Gospel hat der kirchliche Glauben auch die Songtexte der Popmusik erobert. So erzählt Vader Abraham mit seinen berühmt gewordenen Schlümpfen die christliche Weihnachtsgeschichte. Bruce Low schafft es sogar, mit einem Kartenspiel die wichtigsten Akteure des christlichen Glaubens zu erklären. So steht die Eins für den einzigen Gott und die Drei für die heiligen Könige, die sich einst in Bethlehem trafen.
In der Geschichte waren die Songtexte besonders gut ausgefeilte Gedichte. Heute wirken sie oft sehr banal. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es heute in der Popmusik leider oft um die Massenproduktion von Chartstürmern mit hohen Umsatzzahlen geht. Dazu wird beim Abfassen der Songtexte neuerdings sogar Kollege Computer in Anspruch genommen. Mit Synonymlexika und anderen Hilfsmittel werden künstliche Reimgebilde geschaffen, die einfach nur auf vorkomponierte Melodien passen sollen. Dazu wird häufig auch die Grammatik recht heftig gebeutelt. Ein altes französisches Kinderlied, was sich um die Wolle der Schafe dreht, hat dieses Manko schon vor längerer Zeit auf den Tisch gebracht.
Songtexte waren schon immer auch eine Möglichkeit, sich mit gesellschaftspolitischen Problemen auseinander zu setzen. Die Gruppe BAP sorgte hier 1984 für Wirbel, als ihr von der Regierung der ehemaligen DDR die Anreise zur Popmesse in Leipzig verboten wurde, nur weil ihre Songtexte die Sorgen der Menschen in den sozialistisch regierten Ländern allzu deutlich aussprachen. Auch einige bekannte Volkslieder landeten in dieser Zeit auf dem Index. Dazu gehörte die schwarzbraune Haselnuss von Heino genauso wie der gelbe Wagen des ehemaligen Bundespräsidenten.
Im Fazit ist zu sagen, dass Songtexte schon immer eines der Ventile waren und noch sind, deren sich die Dichter und Denker bedienen können, um sich mit den unterschiedlichsten Alltagsthemen auseinander zu setzen.
Frank Bechstein
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